Rímur

Rauhnachtsreime 

Zwischen Jahren und Zeiten
die Zwölfe nächtens weilen.
Dann bald, in hiesigen Breiten
braut sich stürmisches Eilen.

Frau Holles wilde Horden
im Hörselberge hausen,
Nun aus Richtung Norden
durch Nachtgefilde brausen.

Wilder Jäger, Windes Braut,
mit Wichten, Böhzen, Zwergen,
Masken auf! Macht schnellen Schritt!
Mummenschanz in den Bergen,

Wolfsgeheul und Warggesang,
wilde Hunde bellen.
Lärmgetös´ durch lauten Klang,
laßt die Nacht ergellen.

Wildes Heer folgt Wildem Mann,
Wergmännel euch beschmeißen.
All seltsam Volk im Elbenbann,
in and´re Welt euch reißen.

Kraxenmänner folgen kleinen
Kobolden mit Kappen.
Rauschgelichter rufen einen
Reiter auf ´nem Rappen.

Hudelböhz und Hullefrau,
Holde aus dem Dunkeln,
in Rauchgewändern, rabenblau,
raunen sie und munkeln.

Perchta schön und Percht´ schiach,
prüft eure Spindelrocken.
Läutet laut! Und Läutet Krach!
Läutet mit den Glocken!

Mummböhz arg und Moosweiblein,
Mäntel euch verhüllen,
Holzmännel ihr hold Tänzerlein,
Hörner laßt uns füllen.

Schwegler spielen Schwegelpfeifen,
Schlenzer Leute tratzen.
Fußvolk muß die Flucht ergreifen,
vor fürchterlichen Fratzen.

Über Land und durch die Luft
läuft der Passen Zug.
Keiner ohne rechte Kluft
entkommt dem Rauhnachtsspuk.

Kein Wesen nun zu fragen wagt:
Warum wütet diese Schar?
Weltweit dann wünscht die Wilde Jagd
den Bewohnern "Neues Jahr".

© A. Zautner 2005

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